Wider der Vernunft

Neben den laufenden Doktorarbeiten, den Hobbies und Vereinsmitgliedschaften bietet sich uns sogar ab und zu mal die Gelegenheit zum sozialen Kontakt. Diese gab es vergangenes Wochenende sogar gleich mehrfach. Und dabei kommt man dann durchaus auch schonmal ins Reden. Über das Leben, das Universum und den ganzen Rest halt, [1]. Dabei ergaben sich zwei Gespräche. Das Resultat des Ersten erfolgt (nicht-chronologischer Reihenfolge) als nächster Post. Das Resultat des Zweiten heute. Und wir geben zu, wir schwafeln momentan soviel, weil wir nicht recht Zeit finden, um fundierte Posts mit vielen bunten Bildchen zu generieren.

Man muss noch Chaos in sich haben,
um einen tanzenden Stern gebären zu können.

Also sprach Zarathustra — Friedrich Nietzsche, [2]

Wir werden geboren. Wir gehen zu Schule. Fangen eine Lehre an oder ein Studium. Bekommen Kinder und arbeiten für die nächsten 40 bis 50 Jahre, [3]. Und auf dem Weg fragen wir uns, wann wir erwachsen geworden sind.

Erwachsen werden. Was heißt das eigentlich, [4]? Irgendwie passiert das so zwischendrin. Während des Abiturs fangen die Meisten an, sich zu überlegen was man denn eigentlich will. Und anstelle des einsamen Berufs des Astronoms in den Anden in Peru, wählt man dann halt den (von den Eltern vorgeschlagenen) vernünftigeren Berufs des Ingenieurs, weil die ja in Deutschland gesucht werden. Und da gibt es gut Geld. Und gesellschaftliches Ansehen. In den ersten Jahren des Studiums war man bisher noch recht kreativ. Bastelte an irgendwelchen Projekten rum. Und suchte sich seine Nische und Freundskreis und ging vielleicht dem ein oder anderen Hobby nach. Nach Bologna, [5], sieht das vermutlich alles ganz anders aus. Hochschulen arbeiten vielmehr nach dem Prinzip der Wirtschaftlichkeit. Die Studenten sollen schnellstmöglich ausgebildet werden, um eben der Wirtschaft als motivierte Arbeitskräfte zur Verfügung zu stehen. Und wenn das noch nicht schnell genug oder kostengünstig genug geht, dann muss man halt an der Uni noch etwas rumsparen, [6].

Da demonstrieren gebildete Menschen auf Marktplätzen nur für ihre eigene Sache.

Jens Bullerjahn, [7]

Auf der anderen Seite fehlt es aber immer mehr an kreativen Köpfen. Die letzten großen Erfindungen? In den letzten 20 Jahren ist da nicht viel passiert im Vergleich zu den Quantensprüngen am Anfang des letzten Jahrhunderts. Man sagt über die Mathematiker, dass sie ihre schönsten Beweise in jungen Jahren liefern. Und nicht ohne Grund gibt es den Fields Preis, [8], an unter Vierzigjährige verliehen. Aber so richtig viel bewegt hat sich nicht in den letzten Jahren, [9].

Um tolle Ideen zu haben, muss man noch unkonventionell denken. Hat man erst gelernt, was alles nicht geht oder welche Richtlinien man für was einhalten muss, dann schränkt das enorm ein. Dann bleibt kein Spielraum für verrückte Ideen. Um Dinge einfach mal auszuprobieren. Oder auch um einfach mal Fehlschläge hinzunehmen.

Vielleicht ist es vernünftig, etwas zu studieren, was einem Geld bringt. Vielleicht ist es vernünftig, dieses Studium nach 3 Jahren abzuschließen um dann zu arbeiten und eine Familie finanzieren zu können. Aber vielleicht ist gerade die Unvernunft das, was uns glücklich macht. Eben ein Studium, dass uns Spaß und stolz macht. Eine Weltreise, die uns zwar unvernünftiger Weise eine Lücke im Lebenslauf beschert, aber dafür unseren Horizont erweitert, uns bildet und menschlich voran bringt. Auch wenn wir dann vernünftigerweise das Geld nicht in die Altersvorsorge gesteckt haben.

Und vielleicht ist diese Unvernunft gerade das, was uns das Kindliche bewahrt. Uns weniger schnell erwachsen werden lässt. Und uns aber auch die Kreativität und den Erfindungsgeist bewahrt.

[1] Ich hoffe ihr hattet alle ein Handtuch am Samstag dabei. Bei dem Regen hat es sich gelohnt.
[2] Ja, wir zitieren jetzt auch schon Nietzsche. Wir haben ja sonst nichts zu tun.
[3] Ich beziehe ab jetzt alle Angaben auf einen Bildungsweg mit Abitur und Studium. Man kann das aber Eins zu Eins auf andere Schulabschlüsse und Lehre oder ähnliche Berufswege umformulieren. Ich lasse das aber einfach mal weg. Lesefluss und so.
[4] Ich liege momentan lange nachts wach, genau solche Fragen diskutiere ich dann mit mir selbst aus.
[5] Bologna-Prozess zur Hochschulreformation
[6] hier, hier, hier [pdf] oder auch hier [pdf] (kleine Auswahl)
[7] Auch wenn es etwas herausgerissen scheint, ein echtes Moneyquote. Auch dazu planen wir einen Blogpost.
[8] Fields-Medaille
[9] Allerdings sollte man die Hoffnung nie aufgeben: Kalte Fusion anyone?

flattr this!

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2 Responses to Wider der Vernunft

  1. LeSpocky says:

    Seit dem 28C3 weiß ich, dass ich nicht erwachsen bin, nur volljährig … ;-)

  2. Pingback: Dieser Affenverein von Programmierern | the andrelf

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